O Jarbanzo Negro
22.04.2004

[von: le-nightflight.de/]

Radio Globalistic
Radio Globalistic

O Jarbanzo Negro
Donnerstag, 22. April 2004
20:00 Uhr
Tangofabrik


Originalbericht mit vielen Fotos

Laut, bunt, tanzbar
 
Sie kommen durch die Hintertür und verbreiten erst einmal fröhlichen Lärm wie eine Mittelalterband. Sie ziehen ihre Runden durchs Publikum, hauen auf die Pauke, blasen den Dudelsack, formieren sich langsam vor der Bühne und ziehen das Publikum mit.
 
Dieses ist leider nicht so zahlreich in der Tangofabrik erschienen, wie es die Band verdient hätte, der Raum ist halbvoll, fängt aber in kürzester Zeit an zu kochen. Nach dem mikrofreien Intro geht’s rauf auf die Bühne. Die Paukerin entpuppt sich als versierte Akkordeon- und Saxophonspielerin, auch der Dudelsackspieler greift gelegentlich zum Alt- Saxophon. Der Bandleader und Gitarrist spielt brillant die Trompete, selbst der Schlagzeuger zeigt in einem stillen, intimen Mittelteil des Konzertes, was er sonst noch kann. Singen natürlich, aber Vias beherrscht auch das Spiel auf der singenden Säge, welches sanft von der Gitarre begleitet wurde. Sie können auch leise, diese bunten Fünf. Sechs Musiker waren angekündigt, die es braucht, um 15 verschiedene Instrumente zu bedienen. Da waren’s nur noch fünf.
 
Hut ab vor den Multiinstrumentalisten. Die Mischung aus Ska, Polka, Galizischer Folklore, Rumba, Mambo und Punk geht auf. Die Band ist gut aufeinander eingespielt, keine der wohldosierten Break-Beat-Attacken, die so schön in die Beine zucken, klappert. Die Instrumentalbesetzungen wechseln manchmal mitten im Stück, die große Spielfreude der Band überträgt sich sofort aufs Publikum. Allen voran Bandleader Nacho, der mit seinem Charme, seinen witzigen Tanzbewegungen und kurzen Einwürfen das Publikum mitreißt. Viel Abwechslung, was die Rhythmen und die Besetzung betrifft. Manchmal ist es ganz erholsam, dass der Dudelsack pausiert und Xan zum Sax greift. Hat der Dudelsack doch eine gewisse Penetranz, vor allem, wenn er mit dem Mikro verstärkt wird. Außerdem erzeugt der Klang sofort eine Mittelalterassoziation.
 
Wie kommt der Dudelsack in eine spanische Band? Kurze geschichtliche Exkursion: Die Region Galicia im Nordwesten Spaniens wurde ursprünglich von keltischen Bewohnern (Galläker) besiedelt. Die Bewohner dieser Region sind also entfernt verwandt mit den Iren und haben eine verwandte Musiktradition, u.a. den Dudelsack. Das Galicische ist eine eigenständige Sprache, die mittlerweile vor allem in der Folkloremusik wieder gepflegt wird. Gegen Ende wandelte sich die Musik immer mehr in Richtung Punk, kurze, heftige Rhythmen, Headbanging und ausgelassene Stimmung. Weiter so, O Jarbanzo Negro ist nicht umsonst im letzten Jahr ständige Begleit- und Lieblingsband von Manu Chao gewesen. Das nächste Konzert in Leipzig bitte an einem Freitag oder Samstag, dann wird die Bude voll.
 
Babette Dieterich
 
So wird es sein und weil es so schön war, möchte ich auch noch meinen Senf dazugeben. Nach dem Konzert plauderte ich ein wenig mit Uli über die schwarzen Kichererbsen (was ja O Jarbanzo Negro zu deutsch bedeutet). Die internationale Besetzung der Kapelle besteht ursprünglich aus Straßenmusikern. Das sind die Tanja (Sopran- und Tenorsaxophon, Akordeon) und der Uli (Bass, Akordeon, Bombo) aus Frankfurt am Main sowie Vias (Schlagzeug, Akordeon, Trompete, Singende Säge und Cagon), Xan (Gaita oder auch Dudelsack genannt, Banderetta und Sax Alto), Nacho (Gitarre, Trompete, Ukulele) aus Coruna. Der Vollständigkeit halber will ich aber auch den 6. Mann erwähnen, der im Hintergrund an der Technik sein Bestes gab- Koko Gracias aus dem weißen andalusischen Postkartendorf Caceres.
 
Irgendwann, so vor etwa 10 Jahren, lernte man sich in Goethes Geburtsstadt kennen und zog fortan gemeinsam durch die Lande. Inzwischen hat die hessisch/galizische Truppe fast ganz Europa bereist und selbst Leipzig wurde schon wiederholt tangiert. Das fahrende Volk, mit Wohnsitz in Barcelona, tourte auch als Zirkusband von 1998- 2001 durch das Land der Eidgenossen. Vias und Nacho waren da als Clowns zu bewundern, Tanja jonglierte und Uli lief übers Seil. Zum Glück unfallfrei und nebenbei entstanden mit “Terra without Grenzen” (2000) und “Buscavidas” (2002) noch zwei CD-Produktionen, die bei keiner Sommerparty fehlen sollten. Fiesta total! Im Dezember soll dann CD Nr.3 auf den Markt kommen! Vielleicht sieht man sich aber schon vorher in L.E. wieder...
 
...hasta dann friends
 
Heon

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05.11.2004